
12.06.2012 - Bad Wurzach (wind) - Mal ein Jahr im Ausland leben, so eine Art „Auswandern auf Zeit“, andere Kulturen kennenlernen, etwas erleben – viele junge Menschen träumen davon. Wer diesen Traum Wirklichkeit werden lassen möchte, der sollte allerdings langfristig planen. Denn von der bloßen Idee bis zur tatsächlichen Abreise ist es oft ein langer Prozess.
So war es auch bei Raphael Schönball aus Bad Wurzach. Schon in der achten Klasse hat er die Berichte von Freunden und Bekannten interessant gefunden, die ein Jahr im Ausland verbracht hatten. Deshalb informierte er sich über Möglichkeiten. Und er fand die Internetseite von Experiment e.V., einer der vom Bundestag beauftragten Organisationen für die Durchführung des Parlamentarischen Patenschaftsprogramms (PPP). Der Verein bietet Vollstipendien für den deutsch-amerikanischen Jugendaustausch des Deutschen Bundestags und des Kongresses der USA. Und hier bewarb sich Raphael Schönball.
In der ersten Runde des Auswahlverfahrens – insgesamt interessierten sich 4500 junge Menschen deutschlandweit für 350 zu vergebende Stipendien – musste er Unterlagen ausfüllen und ein Motivationsschreiben verfassen. In der zweiten Runde wurde er zu einem Bewerbungsgespräch nach Biberach eingeladen. Es wurden Fragen zur Persönlichkeit gestellt, Englischkenntnisse und politisches Wissen überprüft und es gab einen allgemeinen Test.
Fünf Interessierte kamen weiter und trafen sich mit dem Bundestagsabgeordneten Martin Gerster, der die finale Auswahl traf: Er entschied sich für Raphael Schönball. „Die Entscheidung für mich wurde im Februar getroffen“, erzählt der Schüler. „Und dann stand das Abreisedatum fest: 12. August. Auf das habe ich so sehr hingefiebert, dass ich mir sogar einen Abreißkalender gebastelt habe.“
Einstellung zur Schule ändert sich
Die Hinreise führte über Washington DC. Dort war die Gruppe im Departement of State eingeladen und konnte mit Politikern diskutieren. Danach ging es weiter nach Oxford im Bundesstaat Mississippi. Dort lebte der Schüler zehn Monate lang bei seiner Gastfamilie, der Familie Mossing. „Die waren richtig nett. Ich war in die Familie richtig integriert“, sagt der Schüler. Sein zehntes Schuljahr verbrachte er an der Highschool von Oxford. „Das war ganz toll. Das Leben spielt sich da über die Schule ab und nicht über Vereine wie hier in Bad Wurzach“, erzählt er. Er war in einer Band, machte mit bei einer Theaterproduktion und war sportlich tätig. Jeden Tag hatte er in der ersten Stunde Band und in der siebten Theater. „Da ändert sich die Einstellung zur Schule, weil es nicht so akademisch ist“, sagt Raphael. Durch die Nähe der Universität von Oxford hat auch die Highschool eine gute Qualität. Es sind eben nur andere Schwerpunkte als in Deutschland.
Raphael Schönball feierte amerikanische Weihnachten; und zu seinem Geburtstag organisierten die Mossings eine Party. „Ich habe am 11. September Geburtstag – 9/11. Die Party fand erst am 12. statt“, erklärt der Stipendiat, „am 11. September herrscht eben nicht so richtig Partystimmung.“
Von den USA hat er noch etwas mehr gesehen, denn sein Gastbruder war auf der Suche nach einem College und nahm ihn in den Herbstferien mit auf eine Fahrt durch die östlichen Staaten. „Das war abenteuerlich. Denn bei uns kann man nicht so lange unterwegs sein ohne eine Staatsgrenze zu überschreiten.“ Schönball ist begeistert von diesem Programm und empfiehlt es gern weiter. Er sieht darin eine Chance, um andere Lebensweisen und Kulturen kennenzulernen. Raphaels Rat an alle, die mit dem Gedanken spielen, ein Auslandsjahr zu absolvieren: „Das Programm lohnt sich. Das PPP bedeutet in erster Linie finanzielle Hilfe – aber eben noch viel mehr.“
Informationen zum Thema Auslandsaufenthalt gibt’s unter www.experiment-ev.de. Die Bewerbungsfrist für das Parlamentarische Patenschaftsprogramm im Schuljahr 2013/2014 läuft noch bis zum 14. September 2012. Näheres dazu gibt’s auf www.bundestag.de.